Oldtimerfreunde Papenburg und Umgebung e. V.

                 

Technische Tipps - unsortiert und spontan 


Roller IWL Troll - Schmierung


Als ich meinen Troll in Oldenburg kaufte, hatte ich gleich den Eindruck, dass der Vorbesitzer ein technisch versierter und seine Fahrzeuge sorgfältig pflegender Motorradfan ist. Allerdings schien er sich vorwiegend mit modernen Fahrzeugen auszukennen. Er erklärte mir, dass er immer ordentlich abgeschmiert habe und das Getriebeöl frisch gewechselt sei. Bei Kauf gab er mir noch eine Dose Getriebeöl GL 4 mit. Schon war das Problem erkannt. Zu Hause angekommen habe ich das Getriebeöl gleich abgelassen und gründlich mit Petroleum gespült. Warum diese Aktion?

Alte Motoren mit Kupplung im  Getriebe - Ölbad wie der 150 ccm MZ Motor des Troll sollten nicht mit hochlegierten Ölen gefahren werden. Die Kupplungsscheiben können quellen, auch alte Dichtungsringe sind von der Auflösung bedroht. Das richtige Getriebeöl ist GL 3. Die Original Betriebsanleitung schreibt sogar Sommer-Motorenöl vor, verbietet aber ausdrücklich legierte Öle. Unlegierte Motorenöle sind jedoch relativ schwer zu beschaffen -  Getriebeöl GL 3 ist heutzutage besser geeignet.

Alarmiert habe ich dann gleich die Schmiernippel überprüft. Fast alle Schmiernippel werden beim Toll nicht mit Fett sondern mit Motorenöl geschmiert. Besonders kritisch ist die Schmierung von Vorder-  und  Heckschwinge. Ausnahmen sind nur Kupplungsschnecke, die Lagerung der Bremsschlüssel und der Tachoantrieb. Hypoidöl darf nur für den Schmierfilz des Unterbrechers verwendet werden. Die Schwingen bewegen sich nämlich in stählernen Buchsen um einen feststehenden, hohlgebohrten Bolzen mit Schmierlöchlein. Der Bolzen wird durch O-Ringe ziemlich unzuverlässig abgedichtet. Auf diesem Bolzen sitzt dann links jeweils ein Schmiernippel. Presst man nun Fett in diesen Schmiernippel, kann die Luft nicht entweichen und es erreicht nicht die rechte Lagerstelle. Die Lagerung reibt sich auf und oft rostet der Bolzen fest. Ist einmal Fett in den Schmiernippel gelangt, muss der Bolzen gezogen (hoffentlich ist er nicht festgerostet!) und alle Lagerteile gründlich gereinigt werden. Zum Einbau darf er dann leicht gefettet werden - ohne die Löcher zu verstopfen. Die Schmierung erfolgt dann mit Motorenöl. Hat man keine Fettpresse mit Motorenöl gefüllt, wird der Roller auf die Auspuffseite gelegt, die Schmiernippel abgeschraubt und das Öl mit der Ölkanne eingefüllt. Da die O-Ringe des Bolzen auch im Neuzustand das Öl nicht drinnen halten können, sind Ölflecken normal.

Der Motor erhält seine Schmierung durch Zweitaktgemisch 1 : 33. Im Westen sind wir durch Sachs, Ilo, Goggo und Andere an die Mischung 1:25 gewöhnt. Früher gab es das sogar fertig an der Tankstelle. Bei dem MZ ETS Motor vom Troll ist 1:25 eher schädlich. Die Kurbelwellenlager erhalten ihre Schmierung vom Getriebeöl. (Da war der Sozialismus vorne) Mehr Öl als 1:33 führt leicht zum Verkoken der Kolbenringe.

(Diese Tipps sind auch für die MZ  ETS zu gebrauchen)


J. Brockelmann


Allgemeines zum Öl

zur Schmierung unserer Oldtimer werden auch von erfahrenen Besitzer immer wieder Weisheiten zum Besten gegeben, die man eher in den Bereich des Glaubens als des Wissens einordnen sollte. Allgemein anerkannter Wissensstand ist:

1. In Motoren ohne Papierölfilter sollten keine modernen legierten Öle verwendet werden.

2. in alten Getrieben keine Hypoidöle verwenden. Das sind Getriebeöle Gl 4 und GL 5.

Warum? Moderne hochlegierte Motorenöle halten Verbrennungsrückstände und Abrieb in der Schwebe damit sie vom Feinfilter (Papier) ausgefiltert werden. Motoren ohne Feinfilter pumpen den Dreck immer wieder zu allen Lagerstellen, wo er dann Schaden anrichtet. Die üblichen Siebe zählen nicht als Filter. Alte Motoren verbrennen relativ viel Motorenöl. Moderne Öle sollen aber nicht verbrennen. Die sogenannten Additive bilden beim Verbrennen viele schädliche Rückstände. Deswegen kann man modernes Motorenöl auch nicht mehr für die Zweitaktmischung einsetzen - früher war das durchaus üblich.

Hypoidöle sind hochagressiv und dürfen nur eingesetzt werden, wenn sie ausdrücklich vorgeschrieben sind. Sie lösen sonst Kupplungsbeläge, Dichtungen und Buntmetalle an, Getrieberäder werden aufgerauht. Eine Hypoidverzahnung erkennt man von außen daran, dass der Abtrieb im Gegensatz zu anderen Verzahnungen (Gleason) außermittig ist. Manchmal werden in alten Betriebsanleitungen die Viskositäten des Öls in Engler (E) angegeben. Hier die Vergleichstabelle:

SAE 10 = 3-4 E / SAE 20 = 4-6 E /SAE 30 = 6-9 E / SAE 40 = 9-15 E / SAE 50 = 15-25 E, dies gilt bei ca. 50 Grad Celsius.


J. Brockelmann


Restaurierung eines Goggomobils


Das Goggomobil habe ich von einem Oldtimervereinsmitglied am 28.08.2009 relativ günstig erworben. Von außen war der Oldtimer hui, von innen nach näherem Hinschauen eher p... 

Aber gut - gekauft wie gesehen. Alles Dinge, die ich mir zutraue in Ordnung zu bringen. Zuerst wurde das Fahrzeug in den Garten und dann auf die Terrasse bugsiert. Bei der Größe eines Goggos  ist das alles kein Problem. 





Dann wurde der Wagen komplett entkernt und siehe da, es kamen unschöne Dinge zum Vorschein. Da hieß es erst einmal den Rost abschrubben und abschmirgeln. An einer Stelle musste ein Blech eingeschweißt werden. Anschließend wurde der gesamte Boden mit Rostumwandler behandelt, grundiert und zum Schluss mit Wachs konserviert. Die Gummimatte bedurfte einer Spezialbehandlung. Nach dem Abwaschen habe ich sie komplett mit Silikonöl eingerieben. Sie glänzte anschließend wieder schön schwarz und das Gummi wurde wieder geschmeidig. 

Unter den zwei Schonbezügen der Sitze kamen die grauen Originalbezüge zum Vorschein. Eine gründliche Reinigung verhalf ihnen zum ursprünglichen Aussehen. 

Weil man schon dabei war, wurden Radbremszylinder und Bremsschläuche erneuert. Der Himmel war auch hin. 

Mit Velourstoff und der eigenen Nähmaschine konnte ein neuer ansehnlicher Ersatz geschaffen werden. Im Laufe der Jahre wurden viele Dinge ergänzt. So bekam der Goggo ein originales Oldtimerradio mit zwei Kugellautsprechern eingebaut. Sonnenblenden, Tür- und Seitenverkleidungen, eine Frontscheibenwaschanlage, vier Reifen, Dichtungen für den Benzinhahn, Eine Sisalfußmatte und der Chrom der Stoßstangen wurden erneuert oder ergänzt. So ist aus ihm mittlerweile ein echter Hingucker geworden. Um ihn weiter zu optimieren wäre irgendwann eine neue Lackierung fällig. 


Zuletzt machte der Kleine Probleme beim Fahren. Selbst die mageren 13,6 PS wollte er ab dem 2. Gang nicht mehr auf die Hinterachse bringen. Ein neuer Auspuff, der Check des Vergasers und auch neue Zündspulen brachten nicht den gewünschten Erfolg. Die Fachwerkstatt diagnostizierte undichte Simmerringe als Ursache. So entschied ich mich für einen AT-Motor, den die Fachwerkstatt einbaute. Nun läuft er wieder und zeigt wie viel Power er hat.

Bei Oldtimertreffen platziere ich ihn gerne neben Nobelkarossen wie Mercedes oder Borgward. 


Die Großen werden bewundert, aber die Besucher verweilen und diskutieren beim Goggo - weil sie oft eigene Erinnerungen und Erlebnisse mit diesem Auto verbinden. 

Nun aber möchten wir uns nach reiflicher Überlegung und nachdem wir uns an diese Entscheidung gewöhnt haben, vom kleinen Freund trennen. Er ist demnächst bei EBAY eingestellt.



Knut Glöckner